Grand Hotel du Cours in Siteron an der Route Napoléon
Manche Orte ziehen einen immer wieder an – nicht weil sie spektakulär oder weltberühmt sind, sondern weil sie Charakter haben. So ging es mir mit dem Grand Hotel du Cours in Siteron. Schon vor über 20 Jahren, auf meinen Fahrten Richtung Côte d’Azur, fiel mir dieses Haus auf. Und zwar jedes Mal, wenn ich durch das kleine Städtchen am Durance-Fluss kam. Im April 2017 habe ich es dann endlich geschafft: ein paar Nächte in diesem charmanten Hotel, das sich über die Jahre wie ein stiller Beobachter an der Route Napoléon gehalten hat.
Ankommen in Sisteron – und ein Parkplatz wie auf Bestellung
Wer viel mit dem Auto unterwegs ist, weiß: Der Urlaub beginnt oft schon mit dem Glück eines freien Parkplatzes direkt vor dem Hotel. Und genau so war es bei unserer Ankunft. Just in dem Moment, in dem wir vor dem Hotel hielten, wurde ein Parkplatz frei – direkt vor der Tür. Das Auto blieb dort stehen, kostenlos, bis zu unserer Abreise. Ein perfekter Start!
Kaum ausgestiegen, trat auch schon ein Hotelangestellter aus dem Haus, um uns mit dem Gepäck zu helfen. Das war keine Pflichtgeste, sondern ehrliche Gastfreundschaft. In einem Drei-Sterne-Hotel nicht unbedingt zu erwarten – aber genau das macht den Unterschied, wenn man sich willkommen fühlen soll.
Tradition trifft Funktionalität – Die Zimmer im Grand Hotel du Cours
Unser Zimmer lag zur Rückseite des Hauses – angenehm ruhig und mit allem ausgestattet, was man als Reisender braucht: bequemes Bett, sauberes Bad, funktionierende Heizung, WLAN. Die Einrichtung war schlicht, aber gepflegt. Sicher kein Luxushotel, aber eben ein typisches französisches Hôtel de Tourisme – mit dem ganz eigenen Charme der 60er- und 70er-Jahre.
Viele Gäste machen hier nur einen Zwischenstopp – auf dem Weg in den Süden oder auf der Rückreise in den Norden. Mein Tipp: mindestens eine Nacht länger bleiben! Denn Sisteron selbst hat einiges zu bieten und verdient es, nicht nur als Etappenziel gesehen zu werden.
Die Seele des Hauses – Madame am Empfang
Ein weiteres Gesicht, das man nicht vergisst, ist das der Grand Madame des Hauses: die Mutter der Restaurantchefin. Sie ist so etwas wie die Seele des Hotels und sitzt meist am Empfang. Mit Charme, Würde und einem wachsamen Blick empfängt sie Gäste, arrangiert frische Blumen und sorgt ganz nebenbei für die Atmosphäre, die dieses Haus ausmacht.
Ihre Liebe zum Detail sieht man überall: in der Lobby, im Restaurant, auf den Zimmerfluren. Überall finden sich frische Blumen – nicht irgendwie hingestellt, sondern liebevoll arrangiert, fast wie kleine Kunstwerke.
Gastronomie mit Herz – Das Restaurant als heimliches Highlight
Besonders im Gedächtnis geblieben ist mir das Abendessen im hoteleigenen Restaurant. Hier spürt man noch die Liebe zur klassischen französischen Gastlichkeit. Der Service war aufmerksam, unaufdringlich und perfekt aufeinander eingespielt – fast wie ein kleines Ballett zwischen den Tischen.
Geleitet wird der Restaurantbetrieb von der Tochter der Hotelbesitzerin – charmant, souverän und mit einem wachen Auge für jedes Detail. Sie spricht sogar gut Deutsch, was uns beim Menülesen das eine oder andere Mal geholfen hat. Besonders eindrucksvoll: Wie sie Einheimische wie alte Freunde begrüßte, bevor sie sich um Hotelgäste und Tagesgäste kümmerte. Diese Reihenfolge ist kein Zufall, sondern Ausdruck einer tief verankerten, fast familiären Gastkultur.
Mich erinnerte das Ganze an eine Szene aus einem Louis-de-Funès-Film – nur echter und wärmer.

Sisteron – Mehr als ein Zwischenstopp
Wer sich Zeit nimmt, wird Sisteron mit anderen Augen sehen. Die Zitadelle, hoch über der Stadt thronend, ist nicht nur fotogen, sondern geschichtsträchtig. Sie stammt aus dem 12. Jahrhundert, wurde aber mehrfach erweitert – unter anderem unter Vauban, dem berühmten Festungsbaumeister Ludwigs XIV. Der Blick von dort oben auf das Durance-Tal und die umliegenden Alpenausläufer ist spektakulär.
Auch die Altstadt von Sisteron lohnt sich: enge Gassen, kleine Cafés, ein lebhafter Markt – typisch Provence und doch mit ganz eigenem Charakter.
Mein Fazit – Ein Hotel wie aus der Zeit gefallen
Der Aufenthalt im Grand Hôtel du Cours war eine kleine Zeitreise – im besten Sinne. Hier ist nichts hip, nichts durchgestylt, nichts künstlich auf Retro gemacht. Alles ist echt, gewachsen, französisch. Es gibt vielleicht komfortablere oder modernere Hotels, aber nur wenige mit so viel Herz und Geschichte.
Wenn du auf der Route Napoléon unterwegs bist – oder einfach mal einen charmanten Ort abseits der Touristenpfade suchst – gönn dir eine Nacht (oder zwei) im Grand Hôtel du Cours. Und vergiss nicht, im Restaurant Platz zu nehmen. Es ist ein Erlebnis, das man heute nicht mehr oft findet.










