KMSKA Antwerpen
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KMSKA in Antwerpen: Unser Besuch drei Wochen nach der Wiedereröffnung

Ein Samstagnachmittag am Leopold de Waelplaats

Am 15. Oktober 2022 stehen wir kurz nach 13 Uhr vor dem KMSKA am Leopold de Waelplaats. Vor dem Haus liegt das flache Wasserbecken, über der Säulenfront hängen Fahnen, der Himmel ist klar und die Luft schon herbstlich. Ruhig ist es allerdings nur draußen: In der Eingangshalle sammeln sich Stimmen unter der hohen Decke, Leute stehen in Gruppen auf dem Mosaikboden, Schlangen schieben sich die Treppe hinauf. Wer ein stilles Museum erwartet hat, liegt an diesem Samstag falsch.

Genau darauf war ich neugierig. Das Museum war elf Jahre geschlossen und hatte erst am 24. September 2022 wieder geöffnet, drei Wochen vor unserem Besuch. Ich wollte sehen, was aus einem Haus wird, das so lange hinter Bauplanen verschwunden war, und wie sich der Andrang anfühlt, wenn eine ganze Stadt ihr Museum zurückbekommt.

Die Keyserzaal und die zwei Wege

Der erste Raum lässt uns die Wahl. Die Keyserzaal ist die monumentale Treppenhalle des Altbaus, ihre Wände sind vollständig mit 39 Gemälden von Nicaise de Keyser bedeckt, einem Zyklus über die Antwerpener Malerschule aus den Jahren 1862 bis 1872. Von hier führt die große Treppe hinauf in den Altbau, geradeaus geht es in den Neubau. Wir nehmen zuerst den Weg geradeaus.

Der weiße Kern des KMSKA

Hinter dem Altbau steckt ein zweites Museum, das man von außen nicht sieht. KAAN Architecten haben zehn weiße Säle in die früheren Innenhöfe gesetzt und die Ausstellungsfläche damit um 40 Prozent vergrößert. Die Treppe dorthin ist schmal und mit Lichtlinien gefasst, die Wände stehen so eng, dass Besucher auf den Stufen klein wirken. Oben gibt ein Glasboden den Blick nach unten frei, senkrecht in einen Saal, durch den Leute laufen, die nichts davon ahnen. Spätestens hier verstehe ich, wie dieses Haus gebaut ist: ein Museum im Museum, und beide Teile lassen sich gegenseitig in Ruhe.

Alte Meister, dicht gehängt

Oben im Altbau wechselt alles. Dunkelrote und olivgrüne Wände, Fischgrätparkett, Oberlichter; stellenweise hängen die Bilder dicht übereinander wie in einem Salon des 19. Jahrhunderts. Zwischen den Gemälden stehen Marmorskulpturen auf Sockeln, um die sich die Besucher verteilen. In einem abgedunkelten Saal werden Details aus Werken der Sammlung großflächig an die Wand projiziert, Augenpartien und Stoffe in einer Größe, in der man das Craquelé im Farbauftrag sieht. Vor der Projektion sitzen Leute auf einer Bank und schauen, statt weiterzugehen.

Die bekanntesten Stücke verteilen sich auf beide Hälften des Hauses. Im fünfzehn Meter hohen Rubenssaal hängen die Altarbilder „Die Anbetung der Könige“ und „Die Taufe Christi“, daneben Arbeiten von Jacob Jordaens und Anthonis van Dyck. Der weiße Ensorflügel gehört James Ensor, von dem das KMSKA die größte Sammlung der Welt besitzt, darunter „Die Austernesserin“, „Die Intrige“ und „Adam und Eva aus dem Paradies vertrieben“. Dazu kommen Jan van Eyck und Hans Memling. Nach gut zwei Stunden sind wir noch nicht durch, gehen für eine halbe Stunde vor die Tür in die Sonne und kommen danach noch einmal zurück.

Zur Geschichte des KMSKA

Das Koninklijk Museum voor Schone Kunsten, kurz KMSKA, sitzt seit 1890 in seinem neoklassizistischen Bau im Zuid, dem südlichen Viertel von Antwerpen. Die Sammlung ist älter als das Gebäude, sie geht auf die Antwerpener Akademie zurück. De Keysers Bilderzyklus über die Malerschule der Stadt hing ursprünglich im Akademiemuseum, bevor er 1890 in die neue Treppenhalle kam. Am 1. Mai 2011 schloss das Haus für eine Renovierung, die elf Jahre dauerte und aus dem Museum zwei machte: außen der Altbau von 1890, innen die weiße Gegenwart.

Was vom KMSKA hängen bleibt

Der Kontrast trägt den Besuch. Man geht durch schwere, dunkle Säle mit Goldrahmen und steht zwei Minuten später in einem Raum, in dem außer Weiß, Licht und einem Bild nichts ist. Beides für sich wäre gut, zusammen ist es ungewöhnlich. Ruhig fotografieren lässt sich an so einem Tag nicht, dafür muss man früher kommen. Dass es so voll war, hat mich zuerst gestört und am Ende nicht mehr: Ein Museum, das nach elf Jahren wieder aufmacht und drei Wochen später immer noch Schlangen hat, macht offenbar etwas richtig.

KMSKA Antwerpen

Tipps für deinen Besuch

  • Adresse: Leopold de Waelplaats 1, 2000 Antwerpen. Vom Bahnhof Antwerpen-Centraal fährt die Tram 4 bis zur Haltestelle Museum, zu Fuß sind es rund 25 Minuten. Vom Bahnhof Antwerpen-Zuid sind es fünf Minuten.
  • Für den Einlass braucht man ein Zeitfenster. Das lässt sich vorab online buchen oder vor Ort am Ticketautomaten.
  • Eintritt und Zeiten (Stand September 2026, kmska.be): 20 Euro, unter 26 Jahren 10 Euro, unter 18 Jahren frei. Täglich ab 10 Uhr geöffnet, donnerstags bis 22 Uhr. Das ist die ruhigere Variante.
  • Für Altbau und Neubau zusammen sollte man zwei bis drei Stunden einplanen.

Übrigens haben wir uns in Antwerpen auch den Bahnhof Antwerpen-Centraal angesehen, der selbst einen Besuch wert ist.

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