Pantheon in Rom: 1.900 Jahre unter einer Kuppel aus Beton
Ein grauer Oktobernachmittag an der Piazza della Rotonda
Das Pantheon wollten wir in Rom auf keinen Fall auslassen. Wir waren zweimal dort: im Oktober 2015 auch drinnen, im Juli 2026 nur draußen auf der Piazza. Beim ersten Mal kamen wir an einem bewölkten Nachmittag, zu Fuß vom Largo di Torre Argentina durch die engen Gassen der Altstadt. Von hinten sieht man zuerst nur eine gewaltige Ziegelwand, rund und fensterlos, darüber die flache Schale der Kuppel. Erst auf der Piazza della Rotonda steht man vor der Vorhalle mit ihren Granitsäulen, und plötzlich wirkt der Platz davor klein. Vor dem Eingang drängten sich die Gruppen, und auch drinnen war es voll.

Pantheon: Geschichte in drei Schichten
Über dem Eingang steht in großen Buchstaben M·AGRIPPA·L·F·COS·TERTIVM·FECIT, „Marcus Agrippa, Sohn des Lucius, hat es im dritten Konsulat errichtet“. Das ist nur die halbe Wahrheit. Agrippa ließ zwischen 27 und 25 vor Christus einen ersten Tempel an dieser Stelle bauen. Er brannte 80 nach Christus aus, wurde erneuert und 110 nach einem Blitzschlag erneut von einem Feuer getroffen. Das Gebäude, das heute steht, entstand unter Kaiser Hadrian, nach offizieller Datierung zwischen 118 und 125. Neuere Forschung vermutet, dass die Arbeiten schon unter Trajan begonnen haben. Hadrian ließ die Inschrift trotzdem am Neubau anbringen. Die Bronzebuchstaben, die man heute liest, sind eine moderne Nachbildung.
Dass das Pantheon so gut erhalten ist, verdankt es vor allem seiner Umwidmung zur Kirche. Kaiser Phokas überließ den Bau Papst Bonifatius IV., der ihn 609 als Kirche Santa Maria ad Martyres weihte. Bis heute finden hier Messen statt.
Nicht alles blieb erhalten: Unter Papst Urban VIII. aus der Familie Barberini wurde die Bronze vom Dachstuhl der Vorhalle entfernt. Die Römer spotteten damals: „Quod non fecerunt barbari, fecerunt Barberini“, was die Barbaren nicht taten, taten die Barberini. Nach heutigem Forschungsstand wurde der größte Teil zu Kanonen für die Engelsburg gegossen. In Berninis Baldachin im Petersdom floss davon, anders als oft erzählt, so gut wie nichts: Die Bronze dafür kam überwiegend aus Venedig. Die zwei kleinen Glockentürme, die im 17. Jahrhundert auf die Vorhalle gesetzt wurden, ließ man 1883 wieder abreißen.

Die Kuppel und das Opaion
Drinnen öffnet sich ein Raum, der fast wie gezeichnet wirkt. Die Kuppel hat einen Durchmesser von 43,30 Metern und gilt bis heute als die größte aus römischem Beton. Genauso hoch ist der Raum vom Boden bis zum Scheitel, eine Kugel dieser Größe würde genau hineinpassen und gerade den Boden berühren. Die Baumeister haben nach oben hin immer leichteres Material verwendet, erst Tuff, ganz oben leichtes Vulkangestein wie Bims. Auch die Kassetten gelten als Gewichtsersparnis.
In der Mitte bleibt ein rundes Loch von etwa neun Metern Durchmesser offen, das Opaion. Durch diese Öffnung fällt das einzige direkte Sonnenlicht in den Raum. Wenn man darunter steht und nach oben schaut, sieht man den grauen Himmel wie ein Bild im Rahmen. Bei Regen fällt das Wasser direkt auf den Marmorboden und läuft durch 22 kleine Abflusslöcher in der Mitte ab. An Pfingsten werfen Feuerwehrleute nach der Messe rote Rosenblätter durch diese Öffnung.

Die Gräber im Pantheon
Raffael und Annibale Carracci
Das Pantheon ist auch eine Grabstätte. Raffael, der am 6. April 1520 starb, ist hier begraben. Die Grabinschrift stammt vom Dichter Pietro Bembo. Gleich daneben liegt der Maler Annibale Carracci, der 1609 starb und neben Raffael bestattet werden wollte.
Die Gräber der italienischen Könige
Seit 1878 liegen hier auch zwei Könige. In einer Nische ruht Vittorio Emanuele II., über seinem Grab steht „Padre della Patria“, Vater des Vaterlands. Auf der gegenüberliegenden Seite liegen Umberto I. und Königin Margherita. Ihr dunkler Sarkophag ist mit dem weißen Kreuz des Hauses Savoyen geschmückt. Beide Grabmäler sind aufwendig gearbeitet, aber sie treten neben dem Raum selbst zurück. Hier ist die Architektur das eigentliche Denkmal.

Zurück am Pantheon im Juli 2026
Am 22. Juli 2026 standen wir noch einmal auf der Piazza della Rotonda, diesmal am frühen Abend, im Sommerlicht und nur von außen. Die Vorhalle war voller Menschen, und die Säulen wirkten davon genauso unbeeindruckt wie elf Jahre zuvor. Einen Tag später kamen wir kurz nach halb zwölf in der Nacht wieder vorbei. Da stand das Pantheon angestrahlt an der Piazza, das Bronzeportal war geschlossen, und am Brunnen saßen die Leute auf den Stufen. Von der Treppe, über die man einst zur Vorhalle hinaufstieg, ist dabei nichts zu sehen. Sie liegt heute unter dem Pflaster, weil der Boden ringsum seit der Antike gestiegen ist.
Tipps für deinen Besuch im Pantheon
- Eintritt seit 1. Juli 2026: 7 Euro, ermäßigt 2 Euro für EU-Staatsangehörige von 18 bis einschließlich 25 Jahren (Stand September 2026)
- Frei für alle unter 18 und mit Wohnsitz in der Stadt Rom, außerdem am ersten Sonntag im Monat
- Tickets gibt es über die Plattform Musei Italiani mit Zeitfenster oder vor Ort an Kasse und Automaten, am ersten Sonntag im Monat nur vor Ort; Karten von nicht offiziellen Anbietern berechtigen nicht sicher zum Einlass
- Das Ticket ist auf den Namen ausgestellt, beim Einlass wird der Ausweis kontrolliert
- Geöffnet täglich von 9 bis 19 Uhr, Kasse bis 18 Uhr, letzter Einlass 18:30 Uhr, geschlossen am 25. Dezember und 1. Januar; aktuelle Zeiten stehen auf der offiziellen Seite der Direzione Musei nazionali
- Zu den Messen samstags und vor Feiertagen um 17 Uhr, sonntags und an Feiertagen um 10:30 Uhr ist der Eintritt frei, der Ticketverkauf endet eine Stunde vorher
- Schultern bedecken, Fotos mit dem Handy sind erlaubt
Was vom Pantheon bleibt
Vieles in Rom beeindruckt durch Größe oder Pracht. Das Pantheon beeindruckt durch seine Form: ein runder Raum, eine Kuppel, ein Loch in der Mitte, und seit rund 1.900 Jahren hält das alles. Für uns ist es das Gebäude in Rom, bei dem man am deutlichsten spürt, wie gut die Römer bauen konnten.
Übrigens liegt der Trevi-Brunnen nur etwa neun Gehminuten vom Pantheon entfernt, und auf dem Weg kommt man an der Piazza di Pietra mit den Säulen des Hadrianstempels vorbei.




























