Schloss Hungen im historische Herz von Mittelhessen
Schloss Hungen gehört zum Landkreis Gießen und ist in ca. 50 Minuten mit dem Auto von Frankfurt aus zu erreichen. Das Schloss ist ein schönes Beispiel dafür, wie man etwas modern nutzen kann und dennoch seine Bedeutung und den Charme erhalten kann. Genauer gesagt, wie es einen Ort, wie Hungen, sogar bereichert.
Ich habe das Schloss Hungen, beziehungsweise den Schlosspark um das Schloss herum besucht, denn das Schloss selber ist bewohnt, aber dazu später mehr. Jedenfalls machte die gesamte Kulisse den Eindruck so langsam wieder aus ihrem Dornröschenschlaf zu erwachen, an diesem sonnigen, aber recht kühlen Märztag.

Die Ursprünge von Schloss Hungen
Erstmals urkundlich erwähnt wurde eine Burganlage in Hungen im Jahr 1381, damals im Besitz der Herren von Falkenstein. Nach dem Aussterben der Falkensteiner im Jahr 1418 fiel die Burg an die Grafen von Solms. Unter Graf Bernhard II. von Solms-Braunfels wurde um 1455 eine neue Burg errichtet, vermutlich unter Einbeziehung älterer Bauteile. Zwischen 1487 und 1492 erfolgte eine Erweiterung der Anlage durch Bernhard III.
Renaissance und Barock: Architektonische Weiterentwicklungen
Im Laufe der Jahrhunderte erfuhr Schloss Hungen zahlreiche bauliche Veränderungen. Unter Graf Philipp wurden ab 1572 mehrere Gebäude abgerissen und Neubauten, wie der markante Treppenturm, errichtet. Zwischen 1602 und 1616 entstanden weitere bedeutende Bauwerke, darunter der Torbau der Vorburg und der „Neue Saalbau“. Diese Umbauten verliehen dem Schloss sein charakteristisches Erscheinungsbild, das Elemente der Renaissance und des Barock harmonisch vereint.
Das Schloss im 20. Jahrhundert: Verfall und Rettung
Nach dem Zweiten Weltkrieg stand Schloss Hungen vor großen Herausforderungen. Es diente zunächst als Altenheim und später als Unterkunft für türkische Gastarbeiter. Der bauliche Zustand verschlechterte sich zusehends, und das Schloss drohte zu verfallen.
1974 schenkte der damalige Eigentümer Hans Georg von Oppersdorf das baufällige Schloss. Er hatte es von seinem Schwiegervater Fürst Georg Friedrich zu Solms-Braunfels geerbt. Eine Eigentümergemeinschaft übernahm das Schloss und begann mit der Restaurierung, die bis 2014 dauerte.
Schloss Hungen heute: Ein lebendiges Kulturzentrum
Heute erstrahlt Schloss Hungen in neuem Glanz und dient als Wohnprojekt in Selbstverwaltung. Die Bewohner haben es geschafft, historischen Charme und modernes Leben zu vereinen. Der Schlossgarten, liebevoll gepflegt, lädt zum erkunden ein und bietet einen Ort der Ruhe und Besinnung. Regelmäßig finden kulturelle Veranstaltungen wie Konzerte, Lesungen und Ausstellungen statt, die Besucher aus der ganzen Region anziehen.
Schloss Hungen ist ein wundervolles Beispiel dafür, wie engagierte Menschen ein historisches Gebäude vor dem Verfall retten und ihm neues Leben einhauchen können. Es bereichert den gesamten Ort, hat Wohnraum geschaffen und eine erhaltenswerte Bausubstanz wird erhalten. Ein Besuch lohnt sich nicht nur für Geschichtsinteressierte, sondern für jeden, der die Schönheit und den Charme vergangener Zeiten in Verbindung mit Denkmalschutz und Nutzungsmöglichkeiten in unserer Zeit erleben möchte.
Link zum: Freundeskreis Schloss Hungen e. V.
Übrigens liegt das Schloss Hungen nur ca. 14 Kilometer von Laubach entfernt und dort kann man noch ein Schloss besuchen, das Schloss Laubach!